Stehendes Wasser und Wärme
Wasser im Tank steht – im Reisemobil, im Tiny House, im Sanitärcontainer, im Vorratskanister. Es steht oft tagelang und wird im Sommer warm. Bakterien mögen genau das: Wasser, das steht, und Wärme. Sie setzen sich an Tankwänden und in Leitungen fest und bilden eine dünne, schleimige Schicht – den Biofilm. Diese Schicht hält die Bakterien fest, schützt sie vor Spülwasser und dient ihnen als Nährboden. Der Biofilm selbst gibt den typischen muffigen Geruch ab.
Kalk aus hartem Wasser verstärkt den Effekt: Er bietet einen rauen Untergrund, an dem der Biofilm gut haftet. Jede Naht im Tank, jede Kalkablagerung und jede Schlauchverbindung gibt ihm Halt.
Woran Sie es erkennen
- Geruch. Muffig und abgestanden, wie ein nasser Keller – vor allem nach einer längeren Standzeit.
- Glitschige Tankwand. Ein weißes Tuch durch die Tanköffnung über die Wand gezogen: Ein rutschiger, leicht schmieriger Belag ist Biofilm.
- Schlieren oder Flocken im Glas. Gelöste Teile des Biofilms aus Leitungen oder Tank.
Fehlt jedes dieser Zeichen, kann der Biofilm trotzdem da sein. In Leitungen und im Boiler bleibt er unsichtbar. Deshalb gehört die Pflege von Tank und Leitungen in einen festen Rhythmus, auch wenn nichts auffällt.
Vier Gerüche, vier Ursachen
| Es riecht nach | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| Muffig, abgestanden | Biofilm im Tank und in den Leitungen |
| Faulen Eiern, Schwefel | Bakterien im Warmwasserbereich, meist im Boiler |
| Gummi, Kunststoff, Chemie | Neuer Schlauch, Tank- oder Kanistermaterial, ein Schlauch, der in der Sonne lag |
| Chlor, Schwimmbad | Stark gechlortes Wasser an der Zapfstelle |
Der Zwei-Gläser-Test
Zapfen Sie Kaltwasser und Warmwasser getrennt in zwei Gläser. Riecht allein das warme Wasser, kommt der Geruch aus dem Boiler. Riechen beide, sitzt die Ursache im Tank oder in den Leitungen.
Warum Spülen allein wenig hilft
Klares Wasser nimmt lose Partikel mit. Am festsitzenden Biofilm gleitet es vorbei. Regelmäßiger Durchfluss beugt vor, einen bestehenden Belag entfernt erst die Reinigung. Für den Tank heißt das: sauber befüllen, im festen Rhythmus pflegen und das Wasser regelmäßig wechseln. Wie die Pflege abläuft, lesen Sie im Beitrag Reinigen, entkalken, desinfizieren. Ob zusätzlich eine Konservierung in Frage kommt und was dabei gilt, steht im Beitrag Konservierung im Tank.
Wie viele Keime erlaubt sind – und warum im Tank mehr
Trinkwasserverordnung, Anlage 1 und Anlage 3, dazu § 2 und § 43; für natürliches Mineralwasser die Mineral- und Tafelwasser-Verordnung, § 4.
In Wohnmobilforen hört man oft: Im Tank dürfe das Wasser zehnmal so viele Keime haben wie zu Hause am Hahn. Das stimmt – aber nicht so, wie es gemeint ist.
Zwei ganz verschiedene Messungen
Wenn Wasser untersucht wird, passieren zwei Dinge, die man leicht verwechselt.
Die eine Frage lautet: Sind gefährliche Keime drin? Gesucht wird vor allem nach E. coli und Enterokokken. Das sind Darmbakterien. Findet man sie im Wasser, ist irgendwo Fäkalien-Verschmutzung hineingeraten. Hier gilt eine einfache Regel, und zwar überall gleich: In 100 Millilitern Wasser darf kein einziges sein. Null. Auch im Wohnmobiltank. Daran ändert sich nichts, nirgends.
Die andere Frage lautet: Wie viele Bakterien leben hier überhaupt? Dazu lässt man eine Wasserprobe auf einem Nährboden wachsen und zählt, wie viele Fleckchen entstehen. Das ist die Koloniezahl. Die meisten dieser Bakterien sind harmlos. Sie sagen nichts darüber, ob man krank wird – sie sagen etwas darüber, wie es dem System geht.
Warum zweimal gemessen wird
Die Koloniezahl wird nicht einmal bestimmt, sondern zweimal – bei 22 °C und bei 36 °C. Der Grund ist einfach: Die Temperatur im Brutschrank entscheidet, wer überhaupt wächst.
- Bei 22 °C wachsen vor allem Keime aus der Umwelt – aus Boden, Wasser, Staub. Sie sagen etwas über den Zustand der Anlage: zu wenig Durchfluss, eine undichte Stelle, zu warm gelagert. In der Praxis nennt man sie Schmutzkeime.
- Bei 36 °C, also nahe der Körpertemperatur, wachsen die, die sich auch im und am Menschen wohlfühlen. Ein erhöhter Wert ist hier das deutlichere Warnsignal. Dafür steht der Begriff Körperkeime.
Die beiden Begriffe stehen so nicht in der Verordnung – sie sind Praxissprache. Aber sie treffen den Unterschied genauer als jede Umschreibung.
Und hier kommt der Tank ins Spiel
Bei dieser zweiten Messung, der Koloniezahl, macht die Verordnung tatsächlich einen Unterschied. Sie nennt drei Werte:
- 100 je Milliliter an dem Hahn, aus dem man trinkt,
- 20 je Milliliter direkt nach einer Desinfektion,
- 1.000 je Milliliter im Wasserspeicher einer mobilen Anlage.
Ein Reisemobil ist so eine mobile Anlage – die Verordnung zählt Anlagen „an Bord von Land-, Wasser- und Luftfahrzeugen“ ausdrücklich dazu. Daher die zehnfache Zahl.
Der Gedanke dahinter ist einleuchtend: Ein Tank ist kein Leitungsnetz. Das Wasser steht dort, es wird wärmer und kälter, es wird selten gewechselt. Dass darin mehr harmlose Bakterien leben als in einer ständig durchflossenen Leitung, ist normal und kein Mangel.
Aber – und das ist der Punkt, der in den Foren untergeht: Der höhere Wert gilt nur für die harmlosen Bakterien. Für E. coli und Enterokokken bleibt es bei null. Es ist also nicht so, dass im Wohnmobil schmutzigeres Wasser erlaubt wäre. Erlaubt ist nur, dass mehr Leben darin ist.
Dazu drei Kleinigkeiten, die dazugehören: Der höhere Wert gilt nur für die Messung bei 22 °C – bei den Schmutzkeimen also. Für die Körperkeime bei 36 °C bleibt es bei 100 je Milliliter, ohne Ausnahme für mobile Anlagen. Er gilt für den Tank, nicht für das Wasser am Hahn. Und er gilt nur für ein bestimmtes, älteres Zählverfahren, das die Verordnung neben dem heutigen zulässt.
„Ohne anormale Veränderung“ – was das heißt
Beim heutigen Zählverfahren steht in der Verordnung gar keine Zahl. Dort steht nur: ohne anormale Veränderung. Das klingt nach Ausrede, ist aber Absicht.
Denken Sie an die Waage im Bad. Nicht das Gewicht an sich ist die Nachricht, sondern der Sprung: Wer plötzlich fünf Kilo mehr anzeigt als sonst, weiß, dass etwas passiert ist – unabhängig davon, bei welcher Zahl er sonst steht. Genauso ist es beim Wasser gemeint. Verglichen wird nicht mit einer festen Grenze, sondern mit dem, was für dieses Wasser bisher normal war. Bleibt die Zahl auf ihrem gewohnten Stand, ist alles in Ordnung. Springt sie deutlich nach oben, heißt das: nachsehen, da hat sich etwas verändert.
Zwei Dinge folgen daraus. Eine hohe Koloniezahl allein ist keine Gefahr für die Gesundheit, solange die übrigen Werte sauber sind – sie ist ein Hinweis, kein Alarm. Und für einen privaten Tank hilft diese Regel wenig, denn sie setzt voraus, dass man frühere Messungen desselben Wassers hat. Genau darum stehen die festen Zahlen nur beim älteren Verfahren: Dort braucht man keine Vorgeschichte.
Drei Regelwerke nebeneinander
| Parameter | Trinkwasser am Hahn | In verschlossenen Behältnissen | Natürliches Mineralwasser |
|---|---|---|---|
| Escherichia coli | 0 / 100 ml | 0 / 250 ml | nicht in 250 ml |
| Intestinale Enterokokken | 0 / 100 ml | 0 / 250 ml | Faekalstreptokokken: nicht in 250 ml |
| Pseudomonas aeruginosa | kein Parameter | 0 / 250 ml | nicht in 250 ml |
| Koloniezahl bei 22 °C | ohne anormale Veränderung | 100 / ml | 100 / ml bei 20 °C |
| Koloniezahl bei 36 °C | ohne anormale Veränderung | 20 / ml | 20 / ml bei 37 °C |
↔︎ Die Tabelle lässt sich seitlich schieben – rechts steht die Spalte zum Mineralwasser.
Die Werte für Mineralwasser gelten für eine Probe, die innerhalb von zwölf Stunden nach der Abfüllung untersucht wird; direkt an der Quelle liegen die Richtwerte noch niedriger.
Beim Vergleich fällt eines auf, das viele überrascht: Abgefülltes Wasser wird strenger geprüft als Leitungswasser, nicht lockerer. Am Hahn wird in 100 Millilitern nach Darmbakterien gesucht, in der Flasche in 250 – also in mehr Wasser, in dem nichts sein darf. Und in der Flasche wird zusätzlich nach einem Keim gesucht, den das Leitungswasser gar nicht auf der Liste hat: Pseudomonas aeruginosa.
Für die Praxis ändern diese Zahlen übrigens wenig. Sie beschreiben, was eine Laboruntersuchung ergeben darf. Wann ein Tank gepflegt gehört, entscheidet nicht der Grenzwert, sondern der Rhythmus.
Unsere Empfehlung aus der Praxis: Riecht das Wasser nach einer Standzeit muffig, nehmen Sie an diesem Tag Flaschenwasser zum Trinken und Zähneputzen und planen die Grundreinigung für den Abend ein. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an einen Arzt.