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Ewigkeitschemikalien im Trinkwasser: was die neuen Grenzwerte bedeuten

Seit dem 12. Januar 2026 gilt nach der Trinkwasserverordnung ein Grenzwert für eine festgelegte Gruppe von PFAS im Trinkwasser, und über die Ewigkeitschemikalie TFA wird viel berichtet. Dieser Beitrag erklärt, welche Maßstäbe gelten, und zeigt Ihnen, wie Sie an die Analyse für Ihr eigenes Leitungswasser kommen.

Lesezeit 5 Minuten · Stand September 2026

Was PFAS sind und warum sie Ewigkeitschemikalien heißen

PFAS, ausgeschrieben per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, sind laut Umweltbundesamt eine Stoffgruppe mit über 10.000 Verbindungen. Viele davon sind in der Umwelt äußerst beständig, daher der Beiname Ewigkeitschemikalien. Auch Trifluoressigsäure, kurz TFA, gehört zu dieser Gruppe.

Die Grenzwerte: PFAS-20 seit 2026, PFAS-4 ab 2028

Nach Anlage 2 der Trinkwasserverordnung gilt seit dem 12. Januar 2026 für die Summe PFAS-20 ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm je Liter (µg/l). Ab dem 12. Januar 2028 gilt ein zweiter Grenzwert, der schon heute in der Verordnung steht: 0,02 µg/l für die Summe PFAS-4. Hinter beiden Kürzeln stehen festgelegte Gruppen einzelner PFAS, deren gemessene Gehalte addiert werden. In der Analyse Ihres Versorgers suchen Sie also nach Einträgen wie „Summe PFAS-20“ und ab 2028 zusätzlich „Summe PFAS-4“.

Stoff oder SummeWertArt des MaßstabsZeitpunkt
Summe PFAS-200,1 µg/lGrenzwert, Trinkwasserverordnung Anlage 2seit 12.01.2026
Summe PFAS-40,02 µg/lGrenzwert, Trinkwasserverordnung Anlage 2ab 12.01.2028
TFA60 µg/lgesundheitlicher Leitwert des UmweltbundesamtsBewertung Stand September 2026

Rechtsverbindlich sind die Grenzwerte der Verordnung. Der Leitwert für TFA ist eine gesundheitliche Bewertung des Umweltbundesamts. TFA gehört zu den PFAS, steht aber außerhalb beider Summen und hat mit diesem Leitwert einen eigenen Maßstab.

TFA: eine Ewigkeitschemikalie mit eigenem Leitwert

Für TFA im Trinkwasser nennt das Umweltbundesamt einen Leitwert von 60 µg/l. TFA stammt aus mehreren Quellen. Dazu gehören fluorierte Kältemittel, die in Wärmepumpen und in Klimaanlagen von Autos und Gebäuden eingesetzt werden. Hinzu kommen bestimmte fluorierte Pflanzenschutzmittel, Arzneimittel und die Industrie.

Im Juni 2026 hat der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur ECHA empfohlen, TFA als reproduktionstoxisch (Repr. 1B) sowie als PMT und vPvM einzustufen. PMT steht für persistent, mobil und toxisch, vPvM für sehr persistent und sehr mobil, also für Stoffe, die lange in der Umwelt bleiben und sich im Wasser leicht verteilen. Die Empfehlung ist noch nicht rechtsverbindlich. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts schützt der Leitwert weiterhin.

Befunde einordnen: Nachweis, Spur und Grenzwert

Wie Sie Meldungen über PFAS-Funde lesen, zeigt ein Beispiel aus der Presse. Für die Ausgabe 07/2026 hat Öko-Test 56 Medium-Mineralwässer untersuchen lassen und in fast zwei Dritteln davon TFA gefunden, meist nur in Spuren. Das Urteil „sehr gut“ erhielten 40 der 56 Wässer.

Dahinter steht ein Prinzip, das für jede Messung gilt: Ein Nachweis belegt, dass ein Stoff vorhanden ist. Wie der Wert zu bewerten ist, hängt vom Messort ab und vom Maßstab, der dort gilt. Für Ihr Leitungswasser sind das die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung und für TFA der Leitwert des Umweltbundesamts. Die gemessenen Werte stehen in der Analyse Ihres Versorgers.

Wie Wasserwerke aufbereiten: das Beispiel Rastatt

Im Raum Rastatt gelangten PFAS nach Einschätzung des Regierungspräsidiums Karlsruhe sehr wahrscheinlich über Kompost auf Äcker und von dort ins Grundwasser. Die Stadtwerke Rastatt bereiten das Wasser mit Aktivkohle auf; nach ihren Angaben hält das Rastatter Trinkwasser den seit 2026 geltenden PFAS-Grenzwert ein. In der Nachbarstadt Baden-Baden arbeitet das Wasserwerk Sandweier mit einer Umkehrosmose-Anlage.

Das Beispiel zeigt, wo die Aufbereitung ihren Platz hat: im Wasserwerk, bevor das Wasser ins Leitungsnetz geht. Das Verfahren wählt der Versorger passend zum geförderten Wasser und seiner Belastung. Die Gesundheitsämter überwachen das Trinkwasser.

So erfragen Sie die Wasseranalyse Ihres Versorgers

Die PFAS-Werte für Ihr Leitungswasser stehen in der Trinkwasseranalyse Ihres Wasserversorgers. Diese vier Handgriffe führen Sie zu den Zahlen und zu einer fachlichen Bewertung:

  • Auf der Website des Versorgers suchen. Viele Versorger stellen ihre Trinkwasseranalyse online bereit. Ist sie dort schwer zu finden, fragen Sie direkt beim Versorger an.
  • Nach der Summe PFAS-20 fragen. Ab 2028 auch nach der Summe PFAS-4.
  • TFA gesondert erfragen. TFA steht außerhalb beider Summen; ob und wie oft Ihr Versorger TFA misst, erfahren Sie auf Nachfrage.
  • Das zuständige Gesundheitsamt einbeziehen. Für die gesundheitliche Bewertung eines Messwerts ist es der richtige Ansprechpartner.

Hausverwaltungen können die aktuelle Analyse für Mieteranfragen bereithalten, Kommunen bei Fragen aus der Bürgerschaft auf die Veröffentlichung ihres Versorgers verweisen. Wo die Zuständigkeit des Versorgers endet, beschreibt der Beitrag „Was gutes Trinkwasser ausmacht“.

Tipp aus der Praxis: Speichern Sie die Analyse zusammen mit dem Datum der Probenahme ab. Beim nächsten Abruf sehen Sie so auf einen Blick, wie sich die Werte entwickelt haben.

Diese Seite erklärt Zusammenhänge und ersetzt keine Wasseranalyse und keine individuelle Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich an das Gesundheitsamt oder einen Arzt.

Häufige Fragen

Welcher PFAS-Grenzwert gilt seit 2026 im Trinkwasser?

Seit dem 12. Januar 2026 gilt nach Anlage 2 der Trinkwasserverordnung für die Summe PFAS-20 ein Grenzwert von 0,1 µg/l. Ab dem 12. Januar 2028 gilt zusätzlich für die Summe PFAS-4 ein Grenzwert von 0,02 µg/l.

Gilt der PFAS-Grenzwert auch für TFA?

TFA gehört zu den PFAS, steht aber außerhalb der Summen PFAS-20 und PFAS-4. Für TFA nennt das Umweltbundesamt einen Trinkwasser-Leitwert von 60 µg/l. Der ECHA-Ausschuss RAC hat im Juni 2026 empfohlen, TFA unter anderem als reproduktionstoxisch einzustufen. Die Empfehlung ist noch nicht rechtsverbindlich, und laut Umweltbundesamt schützt der Leitwert weiterhin.

Wo finden Sie die PFAS-Werte für Ihr Leitungswasser?

In der Trinkwasseranalyse Ihres Wasserversorgers. Viele Versorger stellen sie online bereit, sonst fragen Sie direkt dort nach. Achten Sie auf den Wert für die Summe PFAS-20 und fragen Sie TFA gesondert an.

Wie Sie die Trinkwasseranalyse Ihres Versorgers lesen und was die einzelnen Angaben bedeuten, erklären wir Ihnen gern im Bereich Zuhause & Gesundheit.

Quellen: Trinkwasserverordnung, Anlage 2 · Umweltbundesamt: FAQ zu TFA, PFAS-Portal · Öko-Test 07/2026 · Stadtwerke Rastatt · Regierungspräsidium Karlsruhe: Trinkwasser, PFAS in Mittelbaden